Gott und die Menschen – eine Parabel

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Es waren schon wieder ein paar Dekaden Ewigkeit ins Land gezogen und Gott war es langweilig.

Was waren das noch für Zeiten, als ich den ganzen Kosmos, mit Planeten, Pflanzen, Tieren und… ach ja, Menschen… geschaffen habe. Der Mensch, was für eine Enttäuschung. Ich wollte mir ein Gegenüber schaffen, nach meinem Bilde, mit dem ich mich unterhalten und anfreunden kann. Stattdessen kümmert er sich gar nicht um mich. Und die, die sagen, sie würden mich lieben, schlachten Tiere, weil sie denken, dass ich gerne Blut sehe. Die armen Tiere.

Der Mensch, was habe ich mir da nur eingebrockt. Und irgendwie verstehe ich ihn einfach nicht. Ich habe es doch gut gemeint und jetzt das: die Menschen haben mich vergessen, lieben Geld, Macht und Eros, das habe ich nicht erwartet.

Und Gott erhebt sich von seinem Thron, die eine Hand am Rücken, weil er in seiner Allmacht schon lange so dasitzt und ihm der Rücken etwas weh tut. Er schaut auf den Kalender und dann in seinen Kleiderschrank. Jetzt hat er alles was er braucht, und Gott macht sich auf den Weg. Er ist doch ein bisschen aufgeregt. Was soll’s, was kann mir schon passieren, denkt er.

Seine Allmacht hat er ausgezogen und auf seinen Thron gelegt, irgendwie muss sich die Welt ja weiterdrehen, und da wo er hin will, würde sie ihn nur stören. Und Gott macht etwas, was nur Gott kann. Die Menschen tun zwar so als könnten sie das auch und tun so als wären sie Gott, aber jeder weiß natürlich, dass das bloßer Unsinn ist. Aber Gott kann seine Identität wechseln. Einfach so. Er wird Mensch.

Er lernt, wie es sich gehört, einen anständigen Beruf, geht in die Synagoge zu den Gottesdiensten und hat sich selbst als Gott vergessen. Seine Allmacht, ich wiederhole mich, hat er wegen der Chancengleichheit zurückgelassen, aber seine Hauptwesenszüge, seine Güte, seine innere Freiheit und grenzenlose Liebe, da hat er sich gedacht, vielleicht ist es ganz gut, wenn ich die auf die Erde mitnehme, vielleicht kann ich die Menschen durch sie an etwas erinnern. Mal sehn.

Und es läuft zu Anfang eigentlich ganz gut. Er erzählt ihnen von Gott und was das Wesentliche im Leben ist: Liebe. Und nicht nur das, er lebt ihnen vor, wie man als Mensch ein erfülltes Leben leben kann. Und das geht nur im Einklang mit Gott und den Mitmenschen. Aber der liebe Mitmensch…

Zwar sind ihm die einfachen Leute nachgelaufen, aber die bessere Gesellschaft war nicht so von ihm begeistert. Dem religiösen Establishment, das natürlich Gott besser kennt als er sich selbst, hat sein Evangelium gar nicht gepasst. Und am Schluss steht Gott da, mit dem Rücken zur Wand. Die Masse, die ihn erst hochgejubelt hat, lässt ihn wie eine heiße Kartoffel fallen.

Ans Kreuz mit dir du guter Mensch. Schlecht fühlen wir uns, wenn wir dich sehen. Wir sind mit unserer Mittelmäßigkeit ganz zufrieden. Wir wollen lieber in den alten Gleisen fahren und unsere Ruhe haben. Weg mit dir, du Mensch.

Und Gottes Liebe wird in den Schmutz der Straße getreten. Aber ein paar Menschen mit einem kindlichen Herzen halten doch noch zu ihm. Doch auch sie können das Schlimmste nicht verhindern: Gott wird als Mensch ans Kreuz geschlagen.

Es scheint als wäre alles verloren, nach menschlichen Maßstäben wenigstens. Dabei ist alles ganz anders. Und es scheint, menschlich gesprochen, als hätte sogar Gott noch etwas dazugelernt: Wie es ist Mensch zu sein.