Heiligabend

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Heiligabend: Christus wird in die Finsternis dieser Welt geboren. Maria und Joseph, eine Handvoll Hirten, die Weisen aus dem Morgenland, wohl niemand hat die Dimension verstanden, die die Geburt dieses kleinen Kindes hat. Alle menschliche, rationale Weisheit muss hier an der Krippe kapitulieren. Mehr noch der Verstand oder das Gehirn ist gar nicht fähig zu verstehen was hier geschieht und wer da in der Krippe liegt. Das ist so als wollte man mit den Augen hören und den Ohren sehen. Das geht nicht. Der Glaube an Christus wird im Herzen geboren. Unsere Herzen verstehen was unser Verstand nicht glauben kann. Dort wo unser Verstand nur ein hilfloses Neugeborenes und Schmutz und Armut sieht, sieht unser Herz das Wesentliche.

Nur wer (noch) glauben kann wie ein Kind, kann Gott in dem Kind in der Krippe erkennen. Lasst euch nicht täuschen von Glanz und Glamour, von Luxus und Wohlstand, von makellos reiner Haut und einem hübschen Gesicht. Das sind Äußerlichkeiten, die zwar in einer oberflächlichen Facebook und Instagram – Welt viele Likes bekommen, die aber vom Wesentlichen ablenken. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Und dieses Wesentliche lebt uns Christus vor, weil Gott in ihm Gestalt angenommen hat.

Liebe, Frieden, Güte, Gerechtigkeit bekommen durch Jesus eine neue Bedeutung und stellen alles in den Schatten, was wir bisher kannten. Liebe heißt bei uns “gleich und gleich gesellt sich gern”, bei ihm “liebet eure Feinde”. Frieden heißt bei uns Waffenstillstand, bei ihm “meinen Frieden gebe ich euch”. Güte heißt bei uns “tust du etwas für mich, tue ich etwas für dich”, bei ihm “wenn dich jemand um ein Hemd bittet, gib ihm auch noch deinen Mantel”. Gerechtigkeit heißt bei uns “Auge um Auge, Zahn um Zahn”, bei ihm “ich vergebe dir, sündige in Zukunft nicht mehr”.

Was unscheinbar als Geburt eines kleinen Jungen in einem dunklen Hinterhof der Geschichte begann, wird nach Jesu Leben, Tod und Auferstehung zur Weltreligion. Wie eine Olympiafackel von Nation zu Nation weitergegeben wird, setzt das Feuer des Glaubens die Herzen vieler Menschen auf der ganzen Welt in Brand. Wie sich nach dem Urknall das Universum immer weiter ausdehnt, breitet sich die Botschaft von Gott, der sich mit den Menschen versöhnen will, immer weiter aus.

Doch die Physiker gehen davon aus, dass sich nach dem Urknall das Universum wieder zusammenzieht. Was die Forscher für das Universum in ein paar Milliarden Jahren vorraussagen, gilt schon heute für den christlichen Glauben. Es ist bedrückend mit anzusehen, wie der christliche Glaube immer weiter an Bedeutung verliert. Ich wünschte ich hätte ein Patentrezept, aber das habe ich nicht. Wer bin ich schon?

Vielleicht müssen erst die kirchlichen Strukturen auseinanderfallen, bis die Menschen wieder neu nach Gott fragen können. Vielleicht müssen wir erst scheitern und in persönlichen Krisen zerbrechen, bis wir wieder fähig sind, das Wesentliche zu sehen. Vielleicht, vielleicht, vielleicht.

Ich erinnere mich an die Bergpredigt. Wie kindlich sorglos Jesus Gott, unserem Vater einfach vertraut hat. Was auch geschieht, wir sind in Gottes Hand.

Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum sorgt nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe.” (Mt 6,31-34)