Ostern 2017

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Als jetzt kürzlich die frisch renovierte Grabeskirche über dem Grab Jesu wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist, vermeldete die Journalistin Petra Gerster in der Nachrichtensendung “heute”: “… die Tradition nimmt an, dass sich die Grabeskirche über dem Grab mit Jesu Leichnam befindet.”
Aber “die Tradition” nimmt eben auch an, dass das Grab Jesu leer ist. Deshalb nämlich, weil die biblischen Zeugnisse davon berichten, dass Jesus leiblich von den Toten auferstanden ist.
Müssen wir Angst davor haben, dass irgendwelche Archäologen doch noch den Leib Jesu finden?
Ich selbst war noch nicht in der Grabeskirche und weiß nichts Genaueres darüber, ob das vermeintliche Grab Jesu je geöffnet wurde, oder ob dies von den christlichen Kirchen verhindert wurde. Ich müsste es wissen oder könnte mich informieren, aber es hat mich nie interessiert. Ebensowenig wie mich das Grabtuch Jesu interessiert. Ich verstehe nicht die Anstrengungen, die man auf sich genommen hat, warum man so viel Geld verschwendet hat, um seine Echtheit zu beweisen. Ich bin vielleicht zu sehr evangelisch. Der heilige Gral, Splitter vom Kreuz Jesu, Stoff vom Gewand Jesu, kursierten im Mittelalter massenhaft und wurden für viel Geld verkauft, weil man ihnen magische Kräfte zusagte.

Was ist das für ein Glaube, der sich an materielle Dinge klammert, und meint etwas von Jesu Heiligkeit oder Nähe dort in diesem Splitter “Holz” eingefangen zu haben? Aberglaube ist das, sonst nichts. Man stelle sich vor, wie Millionen von Menschen ein Grabtuch verehren, das vielleicht gar nichts mit Jesus zu tun hat. Das den Schweißabdruck eines Namenlosen zeigt, der die grausame Todesstrafe der Römer, die Kreuzigung, erlitten hat. Und selbst wenn es wirklich das Grabtuch Jesu ist, ist seine Verehrung genauso abzulehnen. Wir verehren nicht ein Stück Stoff oder ein Foto Jesu, sondern den, der in dieses Leinen eingehüllt war, wenn er es denn war. Wir verehren und beten zu Jesus Christus, der lebt, weil Gott ihn aus den Toten auferweckt hat.

Wir brauchen als Christinnen und Christen keine Angst vor der Wissenschaft zu haben, denn sie erfasst nur das, was man sehen und messen kann. Wäre es zu Jesu Lebzeiten so offensichtlich und beweisbar gewesen, dass Jesus der Christus ist und Gottes Sohn, hätten ihm da nicht alle folgen müssen, hätten da nicht alle an ihn “glauben” müssen? Aber das ist es eben, Wunder über Wunder, Brotvermehrung und Sturmstillung, Krankenheilung und Dämonenaustreibung, sind letztlich keine Beweise dafür, wer Jesus war – oder ist. Ebensowenig ist die Schönheit der Schöpfung ein Beweis dafür, dass es Gott gibt.

Sollte man also zweifelsfrei den Leichnam Jesu finden, dessen Rippen gebrochen sind von der Lanze, die die Soldaten in seinen Leib gebohrt haben sollen, und dessen Beine entgegen dem üblichen Folterprozedere nicht gebrochen sind, würde das meinen und unseren Glauben nicht erschüttern können.

So wie der lebende Körper Christi kein Beweis dafür war, wer Jesus wirklich war, so wäre auch der tote Körper Christi kein Beweis dafür, dass Christus nicht auferstanden ist. Denn die Dimension des Glaubens erstreckt sich nicht auf das Sichtbare sondern auf das Unsichtbare. Die Realität des Glaubens ist eine Herzensangelegenheit und begründet sich nicht mit Fakten.

Ich rede so einfach vom “Herzen” als könnte man dort den Glauben lokalisieren. Dabei ist für die Medizin das Herz schon lange nur ein Organ, das Blut pumpt. Ich könnte stattdessen auch von “Seele” oder “Identität” des Menschen sprechen, als Ort wo der Glaube entsteht oder beheimatet ist. Aber all diese Begriffe sind nur Hilfsmittel, um die eigenen Erfahrungen weitergeben zu können, um andere Menschen teilhaben zu lassen an der eigenen Gotteserfahrung und um sie zum Glauben “anzustiften”. Um zu sagen: der Mensch ist mehr als Essen und Trinken, mehr als Haut und Knochen, Fleisch und Blut. Um zu sagen: Der Mensch ist in einen größeren Kontext gestellt als die materielle Welt.

Wieso glaube ich das? Ich könnte jetzt ganz einfach sagen: das weiß ich selber nicht, denn letztlich ist es ein Geheimnis und ein Wunder, wenn ein Mensch anfängt an Gott zu glauben. Aber es hat etwas mit den Schriften der Bibel zu tun, und mit eigenen Erfahrungen von Gottes Gegenwart, die ich gemacht habe. Ich habe mich berühren lassen von den Berichten des Neuen Testaments über Jesus, sein Leben, seine Predigten, seinen Tod und seine Auferstehung. Nicht deshalb, weil alles plausibel oder beweisbar wäre. Der Funke des Glaubens hat sich in mir entzündet und mein Leben komplett verwandelt. Aber letztlich erklären kann ich es nicht, warum ein Mensch anfängt an Gott zu glauben, der uns in und durch Christus “sein Herz” gezeigt hat.

Dass der Funke des Glaubens den ganzen Menschen “in Brand” setzt, haben nicht nur die Jüngerinnen und Jünger Pfingsten erfahren, als der Heilige Geist Gottes wie ein Feuer über sie kommt. Gott ist auch heute mit seinem Geist gegenwärtig und will unsere “Herzen” in Liebe zu ihm und dem auferstandenen Christus, entflammen.

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