Jesus hängt am Kreuz

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Jesus hängt am Kreuz. Unvorstellbar!

Wegen seiner Lebensfreude hatte man ihm vorgeworfen ein Fresser und Säufer zu sein, ein Freund der Zöllner und Huren. Kein Asket wie Johannes, der in der Wüste von Honig und Heuschrecken mehr schlecht als recht lebte. Für viele seiner Zeitgenossen war Jesus – so wie wir heute sagen würden – ein Punk, der alle Fünfe gerade sein lässt. Und jetzt das! Das Fest ist zu Ende. Der junge, lebensfrohe Mann wird verraten und verkauft.

Was sind schon 30 Jahre? So hätte es nicht kommen müssen. Ein Mensch, der keiner Fliege was zu Leide tut und sich zu denen hingezogen fühlt, die den Bodensatz der Gesellschaft bilden. “Fromm sein geht anders”, so dachte das Establishment. Und “gleich und gleich, gesellt sich gern.”

Aber Jesus kümmert sich nicht um seinen guten Ruf. Er sieht nicht auf das schlechte Image eines Menschen, sondern er sieht tiefer. Er kennt die Menschen, sieht ihre innere Zerrissenheit und ihr Getriebensein von Lust und Geld: “Hör doch, so bist du gar nicht. Ich sehe dich so wie Gott dich sieht. Kehre um von deinem falschen Weg. So wie du lebst hast du dich von dir selbst und Gott entfremdet. Nein, ich verurteile dich nicht. Kehre um, Gott hat dich anders gemeint.” Jesus lebt mit den Ausgestoßenen zusammen, berührt die Unberührbaren und macht sie an Leib und Seele gesund.

Jesus, der einer von uns ist, und der doch ganz anders ist als wir. Der großherzig ist, wo wir kleinkariert sind, der frei von sich selbst ist, weil Gott sein einziger Antrieb ist, wo wir gefangen sind, weil Trieb und Geld unser Leben bestimmen. Jesus, der wirkliche Mensch, in dem Gott Wirklichkeit wird, während wir nur eine Ahnung davon haben, kaum die Hoffnung, dass wir eigentlich ganz anders sind, als wie wir leben.

Aber die Zeit Jesu geht zu Ende. Es war auch fast zu schön um wahr zu sein. Jesus, ein Vorgeschmack vom “Himmel auf Erden”, ein Moment vom “anbrechenden Reich Gottes”, wird von den Sachzwängen der Gesellschaft eingeholt. Letzten Endes triumphieren die Bürokraten der Religion und hetzen den Mob gegen Jesus auf. Die Masse ist manipulierbar. Erst jubeln sie den Wundertäter Jesus hoch, als er ihnen dann von Pilatus vorgeführt wird, – nein so sieht kein Held aus – wird das “Hosianna” schnell zum “Kreuzige ihn!”. Freigelassen wird ein anderer: Barabbas, ein Aufrührer und Mörder – ein ganzer Kerl, ein Gewinner – so einen will der Mob. Aber Jesus…

Jesus erfährt alle Facetten des menschlichen Lebens. In Gethsemane ringt er unter Tränen mit Gott, allein gelassen von seinen Freunden, die schlafen lieber. Er bittet sie mit ihm wach zu bleiben. Aber es hilft nichts, sie wissen nicht, was die Stunde geschlagen hat. Während ihr Messias Todesängste aussteht, fallen ihnen wieder die Augen zu. Wie bitter. Seine Freunde lassen ihn allein.

Nach den Torturen der Festnahme und des Verhörs trägt er den Querbalken seines Kreuzes zu der Hinrichtungsstätte – angespuckt, verspottet, von allen verraten und verkauft. Wie einsam kann ein Mensch sein?

Da ist nichts mehr in ihm, kein Funken Hoffnung, kein Glaube. “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Selbst Gott, der alles für Jesus war, scheint sich von ihm abgewendet zu haben. Warum Gott? Warum greifst du nicht ein? Warum sendest du nicht deine Engel und holst diesen Einen Menschen, deinen Sohn, vom Kreuz?

Aber Jesus bekommt keine Extrabehandlung. Er muss die Bitterkeit des Lebens bis zur Neige auskosten. Angst haben, sich von Gott verlassen fühlen, weinen, sein Gesicht verlieren, leiden. Da am Kreuz. Ein Mensch der am Ende ist. Hat er denn alles vergessen, was er gepredigt hat? Wenn selbst ihm der Glaube ausgeht? Sie verstehen ihn nicht. Sie töten ihn.

Aber Gott…