Ist wirklich jeder ersetzbar?

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Pfarrerin der Zukunft?
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Pfarrer der Zukunft?

Wie wird es um die Kirche in 20 Jahren bestellt sein?

Werden Roboter, wie ich das mit meinen Bildcollagen zu verdeutlichen versucht habe, die Gottesdienste mit Abendmahl, Predigt und Segen übernehmen? So weit hergeholt ist die Idee nicht. Immerhin stellte der Kirchentag 2017 einen Roboter, der “segnen kann”, vor. Geht das zu weit? Auf jeden Fall!
Diese Spielerei mit der Segensformel bewegt sich für mich schon am Rand zur Blasphemie und ist außerdem ein Schlag ins Gesicht jeder Pfarrerin und jedes Pfarrers.

Die Denkweise die hinter der Idee steht, einen Computer zu bauen, der “segnen kann” ist offensichtlich. Der Beruf des Pfarrers ist ein Beruf wie jeder andere, der sich in verschiedene Arbeitsschritte, wie wir das aus der Autoproduktion kennen, aufteilen lässt. Ob der Computer segnet oder predigt ist technisch kein großer Unterschied. Per Wlan könnte er sich eine Predigt zum Kirchenjahr aus einer der vielen Datenbanken mit Predigten, die online sind, herunterladen und predigen. Alle anderen Tätigkeiten, taufen, das Abendmahl austeilen, beten, könnte er dann ebensogut ausführen.

Was für ein Horrorszenario! Was für ein großes Mißverständnis! Sowohl des Pfarrerberufs als auch des Gottesdienstes. Es geht hier nicht in erster Linie um verbale Kommunikation, um ein Weitergeben von Informationen in der Informationsgesellschaft, sondern es geht darum, dass der Pfarrer den anderen Menschen “Mensch” ist, und dass er zwar auch Teil dieser Gemeinde ist, aber er eben auch “Hirte” ist, der die Gemeinde führt. Er geht der Gemeinde voran, nicht wie ein Chef oder weil es seine Rolle verlangt, sondern er ist ihr geistlicher Leiter, der für seine Gemeinde vor Gott im Gebet eintritt. Wenn er das Abendmahl austeilt, tut er das an Stelle von Christus, oder anders herum: durch die Pfarrerin oder den Pfarrer teilt Christus das Abendmahl aus.  Die Predigt ist mehr als eine Bibelauslegung, sondern in ihr sagt der Prediger der Gemeinde das, was er “im stillen Kämmerlein” an Worten für sie von Gott empfangen hat. Der Segen im Gottesdienst, wie alles andere, kommt aus einem Herzen, dass von Gott berührt und beGeistert ist. Die erhobenen Hände sind ursprünglich wie das Handauflegen, eine Art von “Energieübertragung” von Gottes Heiligem Geist, durch den Pfarrer, hin zur Gemeinde.

Aber ich mache mir eigentlich keine großen Sorgen darum, dass wir tatsächlich in der Zukunft Gottesdienste mit predigenden Robotern haben werden. Nicht dass ich es nicht für möglich halte, dass es die evangelische Kirche in manchen Dorfgemeinden, bei denen es zu teuer und zu aufwendig ist, sie von einem Pfarrer zu betreuen, versuchen würde. Nein, in der Zukunft wird die Kirche nicht mehr so sein, wie wir sie noch vor 30 oder 40 Jahren kannten. Und diese Zukunft ist in manchen Regionen schon Gegenwart.

Wer hätte es vor einigen Jahren für möglich gehalten, dass ein Gottesdienst nur alle vierzehn Tage stattfindet? Und wir müssen gar nicht in die Dörfer fahren. Selbst in Dresden ist ein vierzehntägig stattfindender Gottesdienst – sogar an einem Fest wie “Ostern” – in vielen Kirchengemeinden traurige Realität.   Es geht ganz schleichend. Nach und nach werden einzelne Kirchengemeinden, weil ihnen die Gläubigen wegsterben, mit ihnen sterben. Vielleicht werden die Freikirchen weiteren Zuwachs erhalten. Aber ich rechne damit, es ist ja heute schon so, dass manche Regionen in Deutschland komplett entchristlicht werden. Sicherlich, eine düstere Vision. Aber sie zeigt, Kirche ist nicht nur eine Institution, sondern die Gemeinschaft der Gläubigen. Mit ihnen “steht und fällt” Kirche.

Aber etwas gibt mir doch noch Hoffnung: Dass Jesus sagt: “Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.”

Gott, was auch geschieht: Dein Wille geschehe.

Christi Himmelfahrt

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Wir Menschen wollen hoch hinaus. Immer höher, schneller, weiter. Das klingt nicht nur nach Olympia und Doping. Nein, schon seit Jahren lautet die Parole der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel: Wachstum, Wachstum, Wachstum. Die deutsche Wirtschaft wächst, Deutschland ist Exportland Nr. 1 in Europa. Aber die soziale Gerechtigkeit bleibt dabei auf der Strecke. Wir helfen Menschen in Krisengebieten auf der ganzen Welt und geben Millionen für Flüchtlinge im Inland aus, während die Kinderarmut in Deutschland immer weiter steigt und die Hartz IV – Empfänger in Deutschland kaum über die Runden kommen. “Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.” “Uns geht es so gut wie nie”, kann man aus dem Mund der Bundeskanzlerin hören. Aber wer ist “uns”? Nicht die breite Masse der Bevölkerung sondern eine Handvoll Reiche, deren Reichtum dadurch entsteht, dass sie steuerlich begünstigt werden und die Löhne und Gehälter niedrig bleiben. Wer mit einem normalen Durchschnittseinkommen vierzig Jahre in die Rentenkasse einzahlt, wird 2050 eine Rente bekommen, die auf dem Niveau der heutigen Sozialhilfe liegt.

Ein anderer hat ein ähnliches Credo: Donald Trump. Er kümmert sich weder um Krieg noch Frieden, oder um den Erhalt der Schöpfung, sondern der Zweck heiligt bei ihm die Mittel. Fröhlich trifft er sich mit Diktatoren und liefert Waffen was das Zeug hält. Was sie damit machen ist ihm gleichgültig, solange es die amerikanische Wirtschaft ankurbelt. Er streicht Umweltschutzbestimmungen und kümmert sich einen Dreck um das weltweite Klima. Aber wie die einfache und geniale Skulptur “der Himmelsstürmer” in Kassel uns ganz plastisch und mahnend vor Augen hält, das Ende “der Fahnenstang” ist bald erreicht.

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Der Mensch, der fortschrittsgläubig und erfolgshungrig immer weiter nach Wachstum strebt, so als wenn es kein Morgen mehr gäbe, läuft blauäugig in sein Unglück. Der Himmel ist zum Greifen nah. Immer mehr, immer mehr. Nur noch ein paar Schritte und der “Hans–guck–in–die–Luft” – Mensch der Neuzeit, der nur an sich selber und weder an seine Mitmenschen noch an seine Umwelt denkt, stürzt in den Tod und reisst alles andere mit sich.

“Der Himmelsstürmer” ist keine Erscheinung der Neuzeit, er könnte auch jemand sein der mit am Turm zu Babel gebaut hat. “Wir wollen sein wie Gott.” war die Maxime beim “Turmbau zu Babel”. Alles ist möglich, alles machbar, alles erlaubt. Wir leben wie es uns gefällt. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Wer sich gegen den Mainstream stellt wird heute in unserer Gesellschaft nicht selten als Sonderling ausgegrenzt. Wer das System kritisiert wie Denis Yücel wird in der Türkei eingesperrt oder noch schlimmer: in totalitären Staaten an die Wand gestellt und erschossen. Einer der auch sein Leben lassen musste, weil er nicht ins Bild passte und den religiösen Frieden gestört hat, war Jesus. Unbequeme Wahrheiten hört man nicht gern. Erst wird er in den Himmel gelobt, dann am Kreuz umgebracht.

Aber Gott lässt Jesus nicht im Stich. Denn Gottes Liebe zu uns Menschen ist stärker als der Tod. Er erweckt Jesus von den Toten. Das kann man glauben oder auch nicht. Hieran entscheidet sich, ob ich Christ bin oder nicht. Aber letztlich kann Liebe damals wie heute nicht bewiesen werden. Und was gibt es schon für Beweise im wissenschaftlichen Sinn für Gott? Wäre Gott überhaupt Gott, wenn ich ihn rational verstehen und beweisen könnte? Nein.

Ebensowenig gibt es Beweise für die Auferstehung Jesu. Das leere Grab, die posthumen Begegnungen Jesu mit den Jüngerinnen und Jüngern, all das sind keine Beweise im heutigen wissenschaftlichen Sinn. Daher können wir auch mit “Christi Himmelfahrt” so wenig anfangen und feiern dort lieber etwas anderes: Vatertag, Herrentag oder Männertag.

Mutet es uns zu sehr nach Science Fiction oder nach altem Weltbild an, in dem die Erde eine Scheibe und der Himmel “oben” ist? Denken wir zu materialistisch, wenn wir uns die Himmelfahrt Jesu vorstellen?

Ich persönlich habe eigentlich keine großen Probleme damit, die Ereignisse um Jesu Leben, Tod und Auferstehung zu glauben. Jesus ist nicht wie ein Rocketman oder ein Spaceschuttle leiblich in den Himmel geflogen, denn “Fleisch und Blut” können den Himmel, Gottes unsichtbare Wirklichkeit, nicht erreichen.

So versteht Paulus die Auferstehung Jesu:

35 Aber, wird jemand sagen, wie sollen die Toten auferstehen? Mit was für einem Leibe sollen sie kommen?

36 Du Gedankenloser, was du säst, wird nicht lebendig, es sterbe denn!

37 Und was du säst, das ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, etwa von Weizen, oder von einer andern Frucht.

38 Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er es gewollt hat, und zwar einem jeglichen Samen seinen besonderen Leib.

39 Nicht alles Fleisch ist von gleicher Art; sondern anders ist das der Menschen, anders das Fleisch vom Vieh, anders das Fleisch der Vögel, anders das der Fische. 40 Und es gibt himmlische Körper und irdische Körper; aber anders ist der Glanz der Himmelskörper, anders der der irdischen;

41 einen andern Glanz hat die Sonne und einen andern Glanz der Mond, und einen andern Glanz haben die Sterne; denn ein Stern unterscheidet sich vom andern durch den Glanz.

42 So ist es auch mit der Auferstehung der Toten: Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich;

43 es wird gesät in Unehre und wird auferstehen in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft;

44 es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistiger Leib. (1. Kor 15, Schlachter 1951)

Der Auferstehungsleib Christi ist nicht aus “Fleisch und Blut”, denn der materielle Körper stirbt wie ein Samenkorn, aber aus ihm wird etwas völlig Neues: ein geistlicher Körper. Nun, das ist schwer zu verstehen. Vielleicht können wir es anders formulieren: Der Mensch stirbt und bekommt einen Körper, der aus “Ewigkeit gestrickt ist” und der unverweslich ist.

Gott erweckt Jesus nicht einfach wieder zum Leben, so wie das in der Geschichte von der Auferweckung des Lazarus (Joh 11,1-44) beschrieben ist, sondern Gott der Schöpfer, erschafft Christus neu.

Puh, das ist starker Tobak! Und nicht nur für diejenigen schwer zu verstehen, die noch nie mit der Bibel in Berührung gekommen sind, sondern auch für gestandene Christen, die die Bibel schon mit der Muttermilch aufgesogen haben.

Was ist nun die Message, worum geht es bei “Christi Himmelfahrt”? Christus, aus dem Herzen Gottes geboren als Mensch aus “Fleisch und Blut” kehrt wieder dorthin zurück, wo sein Ursprung ist. Das feiern wir an “Christi Himmelfahrt”. Wie ist das möglich? Gott liebt Christus, seinen Sohn, aus dem Tod heraus, zurück in den Himmel, Gottes ewige Realität.

Jesus hat seinen Auftrag auf dieser Erde erfüllt. Er hat Gott den Menschen vor Augen und in die Herzen gelebt und geliebt. Der Unterschied zwischen Gott und den Menschen kann nicht durch irgendwelche Opfer aufgehoben werden. Aber Gott selbst macht den ersten Schritt und versöhnt die Menschen mit sich, indem er sich nicht um Status oder Allmacht kümmert, sondern aus Liebe zu uns ohnmächtig wird. Die ans Kreuz genagelten Hände, die duchbohrten Füße Christi, sind es nicht auch seine Hände und Füße, die dort am Kreuz bluten? Seine Ohnmacht am Kreuz überwindet Gott mit seiner Liebe. Verstehen kann ich das nicht. Noch nicht…