Begeistert!

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Ich kenne das von mir selbst: Ich plane dies oder das, denke über “ungelegte Eier” nach und dann kommt doch alles ganz anders. Von John Lennon stammt der Satz: Leben ist das was passiert, während du beschäftigt bist andere Pläne zu machen.

Aber man muss sich doch Gedanken machen und sein Leben planen?! Selbstverständlich – und wir können ja auch gar nicht anders. Aber wie optimistisch ist die Annahme, wir hätten unser Glück selbst in der Hand. Wir sprechen von “Zeitfenster”, dann wenn das Eisen noch heiß ist, und wir unser Glück schmieden können. Die “eine” Gelegenheit, der “eine” Job. “Die” Frau, “der” Mann für’s Leben. Das “eine” Date, das alles entscheidet.

Im Rückblick auf mein Leben muss ich allerdings sagen, das stimmt einfach nicht. Entspannt euch. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Wir selbst sind es, die unser Leben in die Enge führen, weil wir uns auf einen bestimmten Beruf fixiert oder in eine bestimmte Frau verguckt haben. Wir idealisieren unseren Traumberuf oder unsere Traumfrau und merken gar nicht, dass wir überhaupt nicht zusammenpassen. Wir machen das wahrscheinlich deshalb, weil wir nicht ohne einen Traum oder ohne ein Ziel leben können. Dabei fallen wir dann oft genug auf die Nase.

Wenn wir Christen sind und dafür beten, dass Gott uns den Beruf zeigen soll, der der richtige für uns ist, kann ja eigentlich nichts schief gehen, oder?
So ein “Traumberuf” war für mich der Beruf des Pfarrers. Viele Jahre liegen seitdem zurück.

Im christlichen Raum spricht man immer viel von “Berufung”. Ja, ich hatte “den Ruf” gehört, fühlte mich dazu berufen, Pfarrer zu sein und war mir innerlich ganz gewiß.

Jetzt, über 20 Jahre später bin ich immer noch kein Pfarrer. “Gott sei Dank!” kann ich da nur sagen. Und es sieht auch nicht so aus, als wenn ich jemals noch Pfarrer werden würde. Der Beruf ist mir so weit entfernt wie das Amt des Bundeskanzlers. Und es sieht auch nicht so aus, als wenn ich es jemals werden würde. Es sieht eher so aus, als wenn ich in meinen ursprünglich kaufmännischen Beruf zurückkehren würde.

Aber hätte ich nicht meinen Traum geträumt und nicht meinen Traum auch versucht zu leben, wäre ich heute nicht der, der ich bin. Ich hätte nicht Theologie studiert, viele andere Lebensentscheidungen wären ganz anders gefallen.

Jeder kann ja einfach mal für sich überlegen, wohin er gekommen wäre, wenn er oder sie nicht seinem oder ihrem Traum gefolgt wäre? Wäre sein Leben ein Albtraum?

Oder haben Sie sich für einen Brötchenjob entschieden ohne Ihrem Traum zu folgen – und sind sogar glücklich?

Wenn ich an meinen Vater denke, der als Jugendlicher eigentlich Opernsänger werden wollte, dann aber doch die kaufmännische Laufbahn eingeschlagen hat… Und er war schließlich doch ein glücklicher Mensch, der in seinem Beruf seine Erfüllung gefunden hat.

Und was ist nun mit “meiner Berufung”?, von der ich weiter oben gesprochen habe? Was wäre, wenn die ganzen Jahre, die ich meiner Berufung gefolgt bin, nicht deshalb einfach verloren wären, weil sie nicht in den Beruf “Pfarrer” eingemündet sind, sondern gerade diese Zeit meine Berufung war? Es scheint mir fast so zu sein…

Von welchem Beruf hat ein junger, frommer Jude vor 2000 Jahren geträumt? Wir wissen zu wenig Persönliches von Jesus, um diese Frage, was ihn betrifft, zu beantworten. Aber eins wissen wir: Jesus ist nicht “bei seinem Leisten” geblieben.

Seine Berufungsgeschichte kennen wir aus dem Neuen Testament:

9 Und es begab sich in jenen Tagen, daß Jesus von Nazareth in Galiläa kam und sich von Johannes im Jordan taufen ließ.

10 Und alsbald, da er aus dem Wasser stieg, sah er die Himmel zerrissen und den Geist gleich einer Taube auf ihn herabsteigen.

11 Und eine Stimme erscholl aus dem Himmel: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden! (Mk 1,9-11, Schlachter 1951)

Gott begeistert Jesus. Es geht um viel mehr als um einen Beruf zum Broterwerb. Wisst ihr denn nicht, dass es um mehr geht als darum was ihr anziehen, essen und trinken sollt? Seht die Vögel des Himmels an, Gott, unser himmlischer Vater ernährt sie, obwohl sie nicht säen oder ernten. Das Leben ist viel mehr als das, sondern geht darum, dass du deine Erfüllung in Gott, deinem Vater, findest.

Und Jesus, erfüllt vom Heiligen Geist, lebt diese herzliche Einheit mit Gott. Die Liebe Gottes erfüllt Jesus und fließt auf seine Mitmenschen über. Was hätte ich darum gegeben dabei zu sein. Es müssten doch alle… aber nur die wenigsten erkennen ihn. Die Menschen sind zu verschieden von Jesus.

Der Einzelne, du, immer hat Jesus den Einzelnen gesehen. Du, Bettler, Du, Blinder, Du, Hure, Du, Besessener, ja, Du bist gemeint. Außenseiter, leichtes Mädchen, schwere Jungs, verlorenes, schwarzes Schaf. Ja, du bist gemeint, du bist berufen, du bist gewollt. Sag ja. Finde deine Erfüllung in Gott. Folge mir nach. Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

Aber zu fremd klingt den meisten die Stimme der Liebe. Die Masse schreit: Ans Kreuz mit ihm!

Gekreuzigt, gestorben und begraben. Am dritten Tage auferstanden von den Toten.

19 Als es nun an jenem ersten Wochentag Abend geworden war und die Türen verschlossen waren an dem Ort, wo sich die Jünger versammelt hatten, aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, als sie den Herrn sahen.

21 Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Und nachdem er das gesagt, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfanget heiligen Geist! (Joh 20,19-22, Schlachter 1951)